Unsere Geschichte


Die Geschichte der FeG Limburg

Die FeG Limburg konnte 2009 einen besonderen Geburtstag feiern: Seit 75 Jahren gehörte sie nun zum Bund der Freien evangelischen Gemeinden in Deutschland. Bei der Bundeskonferenz in Krefeld im Juni 1934 wurden ihr die Körperschaftsrechte zugesprochen. Die Geschichte unserer örtlichen Glaubensgemeinschaft geht aber weit darüber hinaus.
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Beginn vor über 100 Jahren

Schon vor 1910 hatte es Familien aus beruflichen Gründen nach Limburg und Umgebung verschlagen. Der Wunsch nach Gemeinschaft wog die unterschiedliche geistliche Herkunft auf, die von Freien evangelischen Gemeinden bis zu Gemeinschafts- und Versammlungskreisen reichte. Es gab regelmäßige Treffen in Privathäusern und am Sonntag traf man sich zwischen 14 und 15 Uhr zur „Versammlung“. Die Gruppe erlebte einen solchen Zuwachs, dass ab 1925 erstmals Räumlichkeiten in der Landwirtschaftlichen Schule in der Walderdorffstraße 12 angemietet wurden. Ab 1935 stand dann ein Saal in der Thau-Schule (Parkstraße 11-13) zur Verfügung. Doch die Schikanen des Dritten Reiches gingen nicht spurlos vorüber.

Eine Gemeinde im Nationalsozialismus

Im März 1939 musste die Thau-Schule (ebenso wie die Marienschule) mit sofortiger Wirkung zu Gunsten einer Schulneugründung der Nationalsozialisten geschlossen werden. Dennoch konnte die kleine FeG die Räumlichkeiten weiter nutzen, was manchem während der Kriegsjahre geistliche Heimat gab. Erst 1944 beschlagnahmte die NSDAP aus „kriegsbedingten Gründen“ die Versammlungsstätte.

Während der nationalsozialistischen Herrschaft konnte die Gemeindearbeit kein zahlenmäßiges Wachstum verzeichnen, im Gegenteil: Die FeG verkleinerte sich, weil viele Männer in den Kriegsdienst eingezogen wurde, aber auch durch Repressalien seitens der Nationalsozialisten. Die durchschnittliche Besucherzahl verringerte sich von etwa 30 im Jahre 1937 auf etwa 20 im Jahr 1947.

Nach dem 2. Weltkrieg

Vorübergehend fand die FeG in der Evangelischen Kirche in Staffel Unterkunft, bis am 27. Juni 1947 schließlich ein Vertrag unterzeichnet wurde, der ihr wiederum einen Klassenraum in der Landwirtschaftlichen Schule in der Walderdorffstraße zubilligte, wo am Sonntag Gottesdienste und donnerstags Bibel- und Gebetsstunden stattfanden.

Obwohl die Gruppe freikirchlicher Christen in Limburg zahlenmäßig sehr klein war, versuchte sie in den folgenden Jahren, sich durch einige markante Aktivitäten in der Öffentlichkeit vorzustellen. 1951 stand erstmals ein Missionszelt in Limburg auf dem Platz vor der Markthalle (Ste.-Foy-Straße).

Unter den etablierten Kirchen Limburgs war die Skepsis gegenüber der FeG zunächst groß, weshalb von einigen Kanzeln vor dem Besuch der Zeltveranstaltungen gewarnt wurde. Dennoch entschieden sich einige Menschen für einen lebendigen Glauben an Jesus Christus.

Im Laufe der 1950er Jahre wurden immer mehr Menschen auf die Arbeit der Freine evangelischen Gemeinde aufmerksam und die Mitgliederzahl wuchs weiter. Die jungen Leute aus der Anfangszeit waren mittlerweile zu Eltern geworden, so dass Angebote für Kinder und Jugendliche zum Gemeindeleben hinzu kamen.

1959 wurde ein Gartenhäuschen, vormals Werkstatt und Abstellraum, von den Jugendlichen in Eigenarbeit hergerichtet und mit Stühlen, einem Tisch, einem Sofa und einem Harmonium ausgestattet. An ganz kalten Wintertagen mussten die Treffen in die Familien verlegt werden, bis schließlich das Gemeindehaus in der Birkenallee fertig war.

Der Wunsch der Gemeinde, endlich unabhängig von angemieteten Räumen zu werden, fiel zusammen mit dem Wunsch nach einem eigenen Pastor. Dies wurde 1962 Hermann Hilmer, ein frisch examinierter Absolvent des Theologischen Seminars in Ewersbach. Er blieb zwei Jahre und betreute die kleine Gemeinde in Hachenburg mit.

1964 wurde Martin Weyel Pastor der FeG Limburg. Die Limburger Gemeinde wurde nun dem „Dillkreis“ des Bundes Freier evangelischer Gemeinden zugeordnet, woran sich bis heute trotz der exponierten Lage Limburgs im Kreisgebiet nichts geändert hat.

Die FeG Limburg von 1965 bis 1980

Sieben Jahre nachdem man zum ersten Mal über ein eigenes Haus nachgedacht hatte, wurde im März 1968 in einem Festgottesdienst das Gemeindehaus in der Birkenallee (Brückenvorstadt) eingeweiht. Der im Herbst 1966 begonnene Bau hatte einen 120 qm großen Gottesdienstraum, zwei Jugendräume, Küche und Vorratsraum im UG und eine Wohnung für die Pastorenfamilie.

Im Blick auf das Wachstum profitierte die Gemeinde von einem spürbaren kontinuierlichen Aufschwung, den die Stadt Limburg seit Mitte der 1960er Jahre erlebte. Es zogen immer mehr Menschen hierher, darunter auch Familien aus anderen Freikirchen. Sie stellten fest, dass die feinen Glaubensunterschiede keine Hindernisse sind, wenn es um die Christusnachfolge in einer verbindlichen Gemeinschaft geht.

Es gab genügend Familien, um die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen systematisch weiter zu entwickeln. Der frühere Jugendkreis setzte seine Arbeit als „Junge Gemeinde“ fort und wuchs. Das erforderte mehr Platz.

1978 – 10 Jahre nach der Einweihung – konnte die Gemeinde ein Nachbargrundstück erwerben, auf dem ein Pavillon für 3 weitere Gruppenräume errichtet wurde.

Die Fertigstellung des Gemeindehauses in der Birkenallee hatte ein Zeichen gesetzt. Neben dem Aufbau einer inneren Struktur galt es, das Profil der FeG auch gegenüber den anderen christlichen Kirchen am Ort zu schärfen.

Als 1970 die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) in Limburg gegründet wurde, war die FeG als aktiv tätige Beobachtergemeinde von Anfang an dabei. Pastor Hensel nutzte seine Kontakte zu den Amtsbrüdern, um aufklärend aber auch solidarisch einen Beitrag zu leisten.

Die Geschichte unserer Gemeinde von 1980 bis 1995

„Endlich ein Pastor ganz für uns“ – dieser Seufzer mag durch die Gemeinde gegangen sein, als im Jahre 1980 Hartmut Georg als Pastor der Limburger FeG berufen wurde. Zum ersten Mal in ihrer Geschichte brauchte die Gemeinde sich ihren Seelsorger nicht mehr mit anderen Orten im Westerwald zu teilen.

Den Mittelpunkt des gemeindlichen Lebens bildete der Gottesdienst mit durchschnittlich 100 Besuchern. Parallel dazu wurde den Kindern in verschiedenen Gruppenräumen singend und spielend biblischen Geschichten nahe gebracht. Es waren immer fast 30 Kinder im Alter zwischen 4 und 13 Jahren, die dieses Angebot nutzten. Hinzu kamen noch ca. 10 Babys und Kleinkinder, die während des Gottesdienstes in der „Krabbelstube“ betreut wurden. So war es auch Eltern kleinerer Kinder gut möglich, am sonntäglichen Gemeindeleben teilzunehmen.

Als die Gemeinde im Jahre 1984 ihr 50jähriges Bestehen feierte, bestand sie aus 67 Mitgliedern und mindestens ebenso vielen Gemeindefreunden. Zu diesem Zeitpunkt gab es bereits seit zwei Jahren eine Gemeindeaufbauarbeit in Weilburg. Aus einer Zeltmission war dort ein wöchentlicher Bibelkreis und ein Jahr später ein regelmäßiger Gottesdienst hervorgegangen, der in der Christian-Spielmann-Schule in der Frankfurter Str. stattfand. Die Gemeinde entwickelte sich zunächst aber schleppend. Die Zahl der Mitglieder blieb lange Jahre unter 10 Personen.

Als im August 1987 Siegfried Petry die Nachfolge von Hartmut Georg antrat, galt es erneut, die Arbeitskraft des Pastors aufzuteilen. Um die sonntäglichen Predigtdienste abzudecken, sprang der Pastor nach der Predigt in Limburg ins Auto und gesellte sich nach 20 Minuten Fahrt zu den Gottesdienstbesuchern in Weilburg, die dort bereits um 10.30 Uhr begonnen hatten.

Doch nun schloss sich für beide Gemeinden eine Wachstumsphase an. Zwischen 1990 und 1994 stieg die Zahl der Limburger Mitglieder von 69 auf 110, die der Weilburger von 8 auf 25. Im Kindergottesdienst wurden nun fünf verschiedene Gruppen angeboten, zu denen jeweils 15 bis 20 Kinder kamen. Unter der Woche gab es sieben Hauskreise, drei Gemeindebibelgruppen und zwei Frauengebetskreise. Ungefähr 100 Personen nahmen an diesen wöchentlichen Treffen teil.

Inzwischen war das Gemeindehaus in der Birkenallee für die stetig wachsenden Zahl von Gottesdienstbesuchern zu klein geworden. Das Gebäude musste so erweitert werden, dass ein für damalige Verhältnisse großzügiges Foyer mit Eltern-Kind-Raum, eine Empore, neue Sanitäranlagen, ein Gemeindebüro, neue Kinderräume und sogar ein Taufbecken Platz fanden. Das erforderte ein Höchstmaß an Eigenleistung. Noch vor der offiziellen Einweihung im April 1994 konnte erstmals eine Taufe mit 10 Täuflingen gefeiert werden, ein Ereignis, das die Gemeinde mit besonderer Freude erfüllte.

Auch die Geschwister der Zweiggemeinde erlebten einen Aufschwung und errichteten ab 1995 ein Gemeindezentrum in einem denkmalgeschützten ehemaligen Stall- und Wirtschaftsgebäude.

Ab 1995 bis heute

Mitte der 1990er Jahre war unsere Gemeinde von einer Aufbruchsstimmung geprägt. Der zeitgemäße Kindergottesdienst verzeichnete allwöchentlich nahezu 100 Teilnehmer. „Von Anfang an“ hieß ein neues Konzept, das schon die Allerkleinsten mit einbezieht. Öffentliche Veranstaltungen wie das FeG-Forum und das Frauenfrühstück begannen sich zu etablieren und fanden einen eigenen Adressatenkreis über die wachsende Zahl von Gottesdienstbesuchern hinaus.

1997 folgten Siegfried und Esther Petry nach 10 Jahren einem Ruf der im Aufbau begriffenen FeG Koblenz. Die Limburger fanden in Thomas und Beatrix Zels würdige Nachfolger, die ebenfalls die inzwischen selbstständige FeG in Weilburg (30 Mitglieder) mit betreuten. In Weilburg konnte Pfingsten 1997 das neue Gemeindezentrum am Kirmesplatz eingeweiht werden.

Auch die Limburger zog es in die Öffentlichkeit. Im Juni 1998 führte die Gemeinde – erstmals nach 33 Jahren – Zelttage auf dem Marktplatz durch, eine missionarische Aktion von Format: Der Veranstaltungsort erhielt das Ambiente einer Künstlermeile dank der Exponate der christlichen Künstlergruppe „Das RAD“. Als Referent sorgte Helmut Weidemann für eine mitreißende Botschaft. Neben einem attraktiven Kinderprogramm fanden ein Frauenfrühstück, ein Spendenlauf und musikalische Auftritte u.a. mit den Limburger Domsingknaben großen Anklang.

Nach weiterem Mitgliederzuwachs war das Gemeindehaus in der Birkenallee nach nur 4 Jahren schon wieder zu klein. Etwas Luft verschaffte die Tatsache, dass die Pastorenfamilie erstmals nicht mehr im Gemeindehaus wohnte. So zog im Obergeschoss der Kindergottesdienst ein, während man sich im früheren Wohnzimmer u.a. nach dem Gottesdienst zum Kaffee traf.

Der neue Limburger Bürgermeister Martin Richard brachte 1999 zum ersten Mal die Domäne Blumenrod ins Gespräch, einen alten Gutshof. Erstmals besichtigte eine Abordnung der FeG das baulich völlig desolate und zugewachsene Anwesen. Erster Eindruck: Eine Nummer zu groß, aber welche Alternative haben wir? Mit dabei war der Architekt Oberdörfer aus Düsseldorf, der als Visionär dem Erwerb zuriet.

Jahrelange Verhandlungen, Rückschläge und Meinungsverschiedenheiten folgten. Das Anliegen drohte im politischen Spiel der Kräfte zerrieben zu werden. Doch 2002 wurde schließlich ein Pachtvertrag auf 99 Jahre abgeschlossen. Nach umfangreichen Sanierungsarbeiten stand der FeG das gesamte Domänengelände zur Verfügung. Eine Stiftung wurde ins Leben gerufen, die helfen soll, den Ausbau nach den Gesichtspunkten des Denkmalschutzes durchzuführen und einer sozial-diakonischen Nutzung zuzuführen.

Der Gemeindebau vollzog sich auch nach innen: Mit Pastor Stefan Hofmann wurden ab 2001 erste Erfahrungen mit einem Jugendpastor gesammelt. Als dieser 2003 vollzeitlich in die FeG Idstein wechselt, berief die Gemeinde Tim Jodat als zweiten Pastor für die Jugend- und Gemeindearbeit in Limburg und Weilburg.

Am 14. Juli 2004 erfolgte in Anwesenheit vieler Vertreter aus dem öffentlichen Leben die Grundsteinlegung für den neuen Kirchensaal: „Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte nicht“, so ist auf der Grundstein-Tafel zu lesen, die später im Eingangsbereich des Neubaus einen würdigen Platz fand.

Im September 2005 erfolgte der Umzug vom alten Gemeindezentrum in die Domäne. Zu Erntedank feierten wir zum ersten Mal Gottesdienst am neuen Ort – dicht gedrängt im Foyer. Der erste Gottesdienst im Gemeindesaal war die Christvesper zu Weihnachten mit ca. 450 Besuchern. Nachdem im darauf folgenden März ein erster Taufgottesdienst im neuen Saal durchgeführt wurde, erfolgte am 21. Mai 2006 im Rahmen zweier Festwochen die offizielle Einweihung des neuen Gemeindezentrums.

Das alte Anwesen der FeG in der Birkenallee wurde von der Jüdischen Gemeinde Limburg als Synagoge feierlich eingeweiht. Der Architekt Prof. Jakoby: „Die neue Leitung bleibt eigentlich die alte: der gemeinsame Gott“.

75 Jahre nach Beitritt in den Bund Freier evangelischer Gemeinden ließ sich voller Dank feststellen: Gott hat all die Jahre nicht nur seine Hand über diese geistliche Gemeinschaft gehalten. Er will Gemeinde bauen. 10 Jahre nach der ersten Besichtigung hat sich die Domäne Blumenrod zu einem attraktiven christlichen Gemeindezentrum entwickelt. Wie gut meint es Gott mit uns! Er hat diese Gemeinde geschaffen. Und wir dürfen ihre Verwalter sein!

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