Impuls
Zur Freiheit befreit

Text: Lutherbibel, revidiert 2017, © 2016 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart – Grafik: © Gemeindebriefdruckerei.de
Zur Freiheit hat uns Christus befreit!
So steht nun fest und lasst euch nicht wieder das Joch der Knechtschaft auflegen!
Gal. 5,1
Freiheit – da kommen mir doch zuerst Slogans aus den USA in den Sinn: Land of the Free, Land der unbegrenzten Möglichkeiten, tiefe Weite und ein “Alles ist möglich”, Unabhängigkeit, tun und lassen können, was man möchte, keine Grenzen, keine Verpflichtungen, niemand, der mir etwas vorschreibt. Aber ist das wirklich Freiheit?
Dietrich Bonhoeffer hat einen anderen Blick auf die Freiheit des Menschen geworfen. Für ihn bedeutet Freiheit nicht, von allem und jedem unabhängig zu sein. Der Mensch wird vielmehr dort wirklich frei, wo er frei für GOTT und frei für den anderen Menschen wird.
Die biblischen Schöpfungsberichte erzählen, dass der Mensch ein Lebewesen ist, das von GOTT geschaffen wurde, damit es in Beziehung steht zu ihm, dem Schöpfer. Das schließt die Beziehung von Mensch zu Mensch ein. Auch sie ist Teil der Schöpfung, also von GOTT angelegt und gewollt.
Der Mensch macht sich selbst zum Gott
Auf vielen Seiten der Bibel lässt sich anschließend nachvollziehen, was man klassischerweise als Sündenfall versteht. Der Mensch wendet sich ab von GOTT, dem Stifter wahren Lebens. Auch die Beziehung zum Anderen bleibt davon nicht unberührt. Der Mensch macht sich selbst zum Gott, herrscht über die Schöpfung und über den Anderen. Ausbeutung, Tod, Hass verbreiten sich. Die Beziehung zu GOTT, die Leben gespendet und Halt gegeben hat, bricht. Der Versuch, selbst Gott zu sein, misslingt. Der Mensch scheitert und reißt an sich, was er in diesem Leben finden kann. Er wird zum Getriebenen.
Er lebt in Freiheit, könnte man oberflächlich meinen, doch das Gegenteil ist der Fall. Der Mangel an Halt, an Bezug, an Grenzen führt zu einer neuen Versklavung. Oder wie der o.g. Bibelvers ausdrückt, daß der Mensch sich das Joch der Knechtschaft selbst auferlegt hat.
Freiheit, die Christus schenkt, sieht anders aus. Was echtes Menschsein bedeutet, können wir an Jesus ablesen: Er lebt nicht für sich selbst, sondern aus der Beziehung zu GOTT und in Liebe zu den Menschen. Seine Freiheit besteht nicht darin, sich von anderen abzuschotten und alle Möglichkeiten des Lebens auszukosten, sondern darin, sich anderen Menschen zuzuwenden. Er muss sich seinen Wert nicht erarbeiten und ständig um sich selbst kreisen. Weil er in GOTT gehalten ist, kann er für andere da sein.
Freiheit, von sich wegzuschauen
Das ist vielleicht eine ungewohnte Vorstellung von Freiheit. Christliche Freiheit bedeutet nicht: “Ich kann machen, was ich will”. Sie bedeutet vielmehr: “Ich muss nicht mehr nur um mich selbst kreisen; ich darf loslassen, was mich festhält, den Druck, Erwartungen erfüllen zu müssen, die Angst vor dem Urteil anderer, den Zwang, meinen eigenen Wert beweisen zu müssen”.
“Zur Freiheit hat uns Christus befreit” ist deshalb mehr als ein schöner Zuspruch. Es ist eine Einladung, diese Freiheit einzuüben: Frei für GOTT zu werden und frei für den Menschen neben mir. Und vielleicht entdecken wir gerade darin, was wahres Menschsein bedeutet, wie wir es in Christus sehen. Ich wünsche uns, dass wir etwas von dieser Freiheit erfahren – einer Freiheit, die nicht bindungslos macht, sondern uns in die richtige Beziehung bringt: zu GOTT und zu unseren Mitmenschen.
Felizitas Kapp (aus Gemeindebrief “Blick-Punkt” Oktober/November 2026)
